Volvo Diesel versagt im Abgastest

Nach VW jetzt Volvo? ICCT, das Institut welches den VW Skandal lostrat, hat Tests mit 32 weiteren Dieselfahrzeugen von 10 Herstellern durchgeführt. Das Ergebnis wurde Volvo Schweden im September mitgeteilt, das überprüfte Fahrzeuge emittierte 15 mal mehr Stickoxide als es das Gesetz zulässt. Das berichtet heute Dagens Nyheter.

Volvo S60
Volvo S60. Bild: Volvo Cars

Die Tests wurden in zwei Zyklen im Labor durchgeführt. Im NEDC Zyklus hielten alle Fahrzeuge bis auf eines die Werte von 80 mg / km Stickoxid ein. Der teilnehmende Volvo war ein S60 D4. Im zweiten, anspruchsvolleren Test versagte der Volvo komplett. Der WLTC Zylus ist schwieriger, hat Passagen mit höherer Geschwindigkeit und kürzere Abschnitte mit Leerlaufphasen. Er orientiert sich mehr am realen Verkehrsgeschehen als der NEDC Zyklus und soll 2017 in Europa eingeführt werden.

Das ICCT meldet eine Stickoxid Emission von erhöhten 1167 mg / km, der Volvo liegt damit fast  15-mal höher als das Gesetz es zulässt. Zwei weitere Dieselmotoren von Renault und Hyundai fielen mit 708 und 553 mg / km ebenfalls durch.

Die drei schlechtesten Motoren verwenden LNT Katalysatoren (NOX Speicher Katalysatoren), während Fahrzeuge mit EGR oder SCR Katalysator Technik mit AdBlue besser abschnitten. Laut Dagens Nyheter und Volvo Pressechef Stefan Elfström könnte die SCR Technologie die Zukunft auch bei Volvo sein.

Laut Volvo sollte man aus dem Test eines einzigen Fahrzeugs noch keine Rückschlüsse ziehen. Die Daten der Tests des ICCT lassen, so Elfström, nur den Schluß zu dass mit der Motor Management Software etwas nicht stimmen kann. Das getestete Fahrzeug steht Volvo nicht zur Verfügung, nur die Daten des ICCT liegen vor. Die spannende Frage, warum der Volvo Diesel den NEDC Test schafft, im WLTC Zyklus aber versagt, blieb unbeantwortet.

Ein Einzelfall oder ein weiterer Umweltskandal wie bei Volkswagen? Manipulierte Software, die den Testzyklus erkennt, nicht nur bei VW sondern auch im Volvo Diesel? Als Fan Blog, geschrieben von Freunden skandinavischer Autokultur, hoffen wir dass es nicht so ist.

8 Gedanken zu „Volvo Diesel versagt im Abgastest

  • 2. Oktober 2015 um 16:46
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    Hallo Lennart,
    ich habe mir den ICCT Test runtergeladen und war auch etwas schockiert. Die traurige Nachricht ist, dass eigentlich alle Hersteller davon betroffen sind. Für mich stellt sich die Frage, soll VW wirklich der einzige sein der die Technik nicht im Griff hat?! Ich glaube nicht. Hoffentlich lernen alle etwas daraus. Gute finde ich, dass ihr auch dazu berichtet.

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    • 2. Oktober 2015 um 17:25
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      Hallo Jan,
      hat mir den Nachmittag verdorben, eigentlich wollte ich die guten Volvo Zulassungszahlen publizieren. Wir hatten im Blogger Team schon Wetten laufen ob Volvo vom Abgas Skandal betroffen sein wird, die Wette habe ich scheinbar verloren. 🙁
      Mal Daumen drücken dass es so schlimm nicht wird!

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  • 3. Oktober 2015 um 8:58
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    Die Technik nicht im Griff haben ist das Eine , bewusste Manipulation das Andere! Ich verstehe den ICCTnicht, warum merken die Pfeifen das erst jetzt?! Das Laborwerte in der Realität nicht ansatzweise eingehalten werden ist doch bekannt(siehe Spritverbrauch), warum wird jetzt so ein Zenober gemacht?!

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    • 9. Oktober 2015 um 1:41
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      Verschiedene Stellen meckern schon lange darüber, auch in den Städten wurde (mit Verwunderung) bemerkt, dass die Stickoxid-Werte trotz angeblich saubererer Autos mit den strengeren Normen immer weiter stieg. Nun wird vermutet, dass es mit dem steigenden Anteil von Diesel-Fahrzeugen zu tun hat (und dass kaum ein Diesel die Werte wirklich einhält, zumindest noch weniger als Benziner).

      Die verantwortlichen Stellen haben in Deutschland immer nur abgewunken, nach dem Motto „ist bekannt und uns aber egal“.

      Die Amerikaner sind nun eben auch auf den Trichter gekommen, und dort ist es nicht egal, wenn vorsätzlich Atemwegserkrankungen etc. verursacht werden. Also kommt es zu Strafen, und plötzlich ist das Thema auch hier bei uns ganz wichtig. (Aber eigentlich nur weil es Strafen gibt.)

      In dem Sinne bedanke ich mich bei den USA, wenn die erreichen können, dass auch bei uns die Luft in der Stadt besser wird, trotz ständiger Diesel-Bevorzugung (bei Grenzwerten) und Subvention (an der Tanke)!

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  • 26. November 2015 um 9:49
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    Hallo, ich habe Volvo mal angeschrieben und folgende Aussage dazu erhalten:“vielen Dank für Ihre E-Mail an uns, die Volvo Car Germany GmbH.

    Wir gehen davon aus, Sie beziehen sich auf eine kürzlich veröffentlichte Studie der Verkehrsorganistaion ICCT oder einen Artikel, der auf besagte Studie oder Auszüge hieraus verweist.

    Wir können Ihren Wunsch nach einer direkten Information von Volvo gut nachvollziehen und möchten Ihnen daher heute folgende Stellungnahme aus dem Hause Volvo weitergeben:

    Das getestete Fahrzeug hat technisch nicht einwandfrei funktioniert. Ein technisch korrekt funktionierendes Fahrzeug hätte andere, bessere Werte erzielt.

    Die selbe Institution hatte zuvor bereits andere Volvo Modelle unter identischen Testbedingungen geprüft und dabei normale Werte erzielt.

    Unsere Techniker haben den schon vor weit über einem Jahr durchgeführten Test soweit möglich im Detail analysiert, die Indikationen gehen in Richtung eines fehlerhaften, möglicherweise nicht korrekt funktionierenden Abgas-Kontrollsystems.“

    Also schrieb ich den ICCT an der mich an den ADAC verwies, der den Test durchführte. Es dauerte 2 Monate bis ich folgende Antwort erhielt:

    „zunächst möchten wir uns bei Ihnen entschuldigen, dass wir Ihr Schreiben nicht zeitnaher bearbeiten konnten. Aufgrund sehr vieler Zuschriften unserer Mitglieder, die selbstverständlich vorrangig informiert und beraten werden, können wir Ihnen erst jetzt antworten.

    Das getestete Fahrzeug war ein Presseauto von Volvo selbst. Der Hersteller hatte uns dieses zur Verfügung gestellt und wusste, dass damit auch Abgas- und Verbrauchstests auf unserem Prüfstand durchgeführt werden. Daher ist davon auszugehen, dass der Hersteller den technisch einwandfreien Zustand des Fahrzeugs vor Auslieferung kontrolliert.

    Nach den Messungen wurden die Ergebnisse Volvo zur Verfügung gestellt, damit der Hersteller die Möglichkeit hat, eventuell unplausible Werte zu beanstanden. Dies ist die übliche Vorgehensweise nach DIN-Norm für Verbraucherschutztests. Bei Beanstandungen werden dann Nachtests durchgeführt.

    Volvo hatte seinerzeit keine Rückmeldung und damit keine Einwände gegen die Ergebnisse vorgebracht. Somit war die Messung gültig und wurde entsprechend vom ADAC veröffentlicht.“

    Also schrieb ich Volvo wieder an (verkürzte Form): Ich würde mich über eine weitere Stellungnahme, Ihrerseits, sehr freuen, denn meine Unsicherheit wurde dadurch nicht beseitigt.

    Wieso haben Sie die Messungen denn am Auto nicht beanstandet als Sie die Möglichkeit dazu hatten?

    Was raten Sie mir, wo ich unser Auto testen lassen kann damit das Ergebnis, falls es auch von den Herstellerangaben so sehr abweicht, von Ihnen akzeptiert wird?

    Die Antwort von Volvo: „wir können Ihren Wunsch nach einer direkten Information von Volvo inmitten einer mitunter recht hitzig geführten Debatte im Spannungsfeld zwischen Politik und Presse gut verstehen und möchten Ihnen daher gerne folgende Stellungnahme aus dem Hause Volvo weitergeben:

    „Volvo Cars hat niemals und wird auch in Zukunft keine Vorrichtungen in seinen Fahrzeugen installieren, die zu Manipulationen von Emissionsmessungen führen.

    Alle Motoren verfügen über identische Einstellungen, unabhängig davon, ob sie bei Tests oder im täglichen Gebrauch eingesetzt werden. Zudem erhält jedes Volvo Modell eine Bescheinigung, die bestätigt, dass das Fahrzeug den Vorgaben entspricht. Kein Volvo wird ohne diesen Nachweis ausgeliefert.

    Volvo Cars sieht die aktuellen Testregularien zur Feststellung der Emissionen von Dieselfahrzeugen als einen Industriestandard an, der einen Vergleich von Fahrzeugen ermöglicht.

    Gemeinsam mit anderen Unternehmen der Automobilindustrie arbeitet Volvo daran, neue Richtlinien für Emissionstests zu gestalten und zu implementieren, die die Nutzung von Fahrzeugen im täglichen Straßenverkehr besser reflektieren.

    Volvo begrüßt deshalb die Anstrengungen, neue Testverfahren „Worldwide Harmonised Light Vehicles Test Procedures“ (WLTP) zu realisieren und wird selbst vollumfänglich dazu beitragen, dass diese Testverfahren erfolgreich eingeführt werden.“

    Vor diesem Hintergrund sind etwa auch die Aktivitäten von Organisationen wie der ICCT zu verstehen, die den gesellschaftlichen Diskurs anregen und lebendig halten. Diese Diskussion (auf möglichst breiter gesellschaftlicher Basis) ist richtig und wichtig, schließlich geht dies nicht nur uns, sondern auch alle zukünftigen Generationen an.

    Die derzeit gültigen, also gesetzlich fixierten Verbrauchsmessungen erfolgen unter genau definierten und für alle Fahrzeuge gleichen und wiederholbaren Bedingungen. Ein Testzyklus stellt demnach einen objektiven Maßstab zum Vergleich technischer Produkte dar; nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Ihr Volvo wurde gemäß den hierfür geltenden Normen homologiert und dementsprechend zugelassen – selbstverständlich gilt dies auch für alle anderen Volvo Fahrzeuge.

    Es gibt natürlich eine Vielzahl von Faktoren (und deren Wechselwirkungen untereinander), die Verbrauchs- und Emissionswerte beeinflussen und diese ergeben zusammen mit vielen weiteren Einflüssen in jedem Bruchteil eines Moments das, was sich nur vermeintlich in einem Wort (nennen wir es doch „Realität“) vereinheitlichen und zusammenfassen lässt, eigentlich aber eine laufend sich verändernde und niemals richtungsgebundene Mannigfaltigkeit ist.

    Die Diskussion um die Adäquatheit von Tests oder nützlichen Vergleichsmodellen bleibt also in der Tat hochspannend und ist von großer Wichtigkeit. Allerdings ist dies dem Grunde nach sicher keine neue Debatte, sondern mindestens so alt wie die Wissenschaft (in moderner Ausprägung).

    Jetzet bleibt erst einmal jedem selbst überlassen, was er davon hält. Ich habe meine Fragen noch einmal gestellt und warte die nächste Antwort ab.

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  • 1. Dezember 2015 um 12:21
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    Diese fällt wie folgt aus:“…vielen Dank für Ihre nochmalige Rückmeldung und die Übermittlung der Antwort des ADAC. Wir verweisen heute nochmals auf unser Statement, das wir Ihnen bereits geschickt hatten. Eine Ergänzung dazu bzw. eine konkrete Antwort unsererseits zur Aussage des ADAC gibt es nicht.“

    Man verweigert eine konkrete Antwort zur Aussage des ADAC… Fast gleichzeitig erhalte ich Volvo Werbung mit dem Hinweis, dass man Gewinner des ADAC Kundenbaromter sei…

    Gemäß dem Motto von Pippi Langstrumpf: „Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt…“

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  • 10. Juni 2016 um 15:19
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    Möchte mir evtl. einen Volvo V 40 kaufen.
    Nutzt Volvo die SCR-Katalysator-Technik (ad-blue ??)beim V 40 D 2 / D 2 eco ? bzw. was unternimmt Volvo um die Schadstoffe zu reduzieren ?
    Wie sind die NOX-Werte der beiden Modelle ?

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  • 6. Januar 2017 um 20:13
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    ich hatte gerne den D5 getestet sehen, es ist schon bekannt das der D2 am meisten NOx produziert (und am wenigsten CO2), bei der D5 genau umgekehrt

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