Volvo und der Abgasskandal. Die Reaktionen in Schweden.

Am 21. August veröffentlichte der ADAC die Daten seines Eco Tests. Sofort war klar, dass Volvo ein Stickoxid Problem hat. Besonders die neuen Modelle wie XC90, S90 und V90 schnitten schlecht ab. Eine Blamage, aber zu diesem Zeitpunkt keine Reaktion aus Schweden.

Volvo und der Dieselskandal. Grafik: ams

Dort griffen die Fachzeitschriften das Thema nur sehr zögerlich auf. Es dauerte recht lange, bis sich die schwedische Ausgabe der Auto-Motor-Sport in der aktuellen Nummer des Themas annahm. Und gestern wagte sich Chefredakteur Arliv Söderlind an einen Kommentar zu dem heiklen Thema. Lokale und landesweite Medien folgten, Volvo und der Abgasskandal sind in Schweden nun ein Thema.

Der Zynismus von Volvo

Söderlind nennt das Verhalten von Volvo zynisch. Der Verzicht des Herstellers auf den Einbau eines NOx-Katalysators bedeute eine unnötige Freisetzung von Abgasen. Es sei zynisch Abgase nicht zu reinigen, obwohl die Technik zur Verfügung stehe. Das Verhalten von Volvo werde zu einem Verbot von Dieselfahrzeugen in den Städten des Landes führen. Für schwedische Verhältnisse sind es unerwartet klare, offene Worte.

Das Aufgreifen des Themas, nach wochenlanger Schonfrist, hat Volvo sich selbst zuzuschreiben. Der Hersteller, und auch der deutsche Importeur, reagiert nicht auf das Thema und schweigt. Im besten Fall gibt man schriftliche, aber nicht aussagekräftige Stellungnahmen ab. Darin wird auf die laufende Motoren-Entwicklung verwiesen, und dass Volvo im Herbst neue Entwicklungsschritte für Benziner und Diesel vorstellen werde. In Schweden fragt man sich nun, wie schlau dieser Umgang mit dem Skandal ist?

Der Umgang mit dem Dieselskandal, das laute und lange Schweigen in Göteborg, hat das Thema jetzt nach der Sommerpause angeheizt. Die mediale Welle läuft in der Heimat von Volvo nun an. Dass ein Hersteller, der sich den schonenden Umgang mit der Umwelt und Ressourcen auf die Fahnen geschrieben hat, so gegen die eigene Ethik verstösst, ist ungewöhnlich.

Dabei ist ein sauberer Diesel Motor möglich. Mercedes zeigt wie es geht und liefert mit dem E 220 d eine NOx Emission von 41 mg/km, BMW 520d 28 mg/km. Ein XC90 D5 emittiert hingegen mit 878 mg/km reichlich 1.427% mehr als den angegebenen Messwert. Da tröstet es auch nicht, dass Volvo bei den Messungen nicht die rote Laterne bekam. Der schlechteste im Test, ein Renault Captur, schnitt mit 1,336 mg/km ab.

5 Gedanken zu „Volvo und der Abgasskandal. Die Reaktionen in Schweden.

  • 7. September 2017 um 20:50
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    Schöne Schale alleine reicht nicht. Schade das es so ist, noch trauriger ist allerdings die Reaktion von Volvo nach dem öffentlichen bekannt werden.

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  • 8. September 2017 um 17:39
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    Die ganze Angelegenheit ist ja viel schlimmer für Volvo, in der Werbung/Marketing gibt man den Skandinavischen Saubermann und Öko Vorzeigebetrieb und in Wahrheit betrügt man seine Kunden indem man Motoren verkauft die, sagen wir mal ganz vorsichtig nicht die Abgaswerte erreichen die sie lt. Angaben von Volvo erbringen sollten.
    Was soll ich nun als Kunde von Volvo denken ?? Wenn ich heute den aktuellen 4 Zylinder Diesel EU6 kaufe, dann droht mir wenn es etwas blöde läuft in vielen Städten ein Fahrverbot weil Volvo sich zu fein wahr einen SCR-Kat einzubauen. Warum hat Volvo keinen SCR-Kat eingebaut ? ganz einfach die Herren in Göteborg haben den Hals nicht voll bekommen vor Gier.

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  • 9. September 2017 um 15:28
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    insbesondere ist die volvo modellpolitik auch unglaubhaft und zu hinterfragen, wenn gleichzeitig die anerkannt umweltfreundlichen und technisch vernünftigen erdgasmodelle aus dem programm genommen werden….
    volvo reiht sich in die reihe der dreckschleudern ein porsche, audi, vw, renault, fiat…..

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  • 13. September 2017 um 6:55
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    …. leider macht die Gier auch vor den Schweden nicht halt. Noch ein Jahr, dann werde ich meine XC90 II D5, dem Händler vor die Türe stellen.

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  • 15. September 2017 um 21:23
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    Ich habe letzte Woche einen XC60 D5 konfiguriert und bestellt. Gestern bekam ich die Nachricht, dass das Fahrzeug ab sofort nur noch mit einem SCR-Kat geordert werden kann und daher ca. 350 mehr kostet. Damit wird Euro 6d erfüllt. Das ist sicherlich der richtige Schritt. Da der Händler mir keine detaillierten Informationen geben konnte und sehr überrascht schien, glaube ich, dass Volvo sehr hektisch auf die im AMS-Artikel beschriebenen Messungen reagiert hat. Wahrscheinlich auch musste. EIn brandneuer Volvo mit so schlecht NOX-Werte darf nicht verkauft werden. Da die Technik sicherlich verfügbar war, konnte schnell reagiert werden. Ich hoffe nur, dass die Schweden nicht auch eine Abschalteinrichtung einprogrammiert haben um AdBlue zu sparen.

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