Volvo Zukunft

Die angekündigte Änderung der Marketingstrategie ist ein Paukenschlag. Ein Ausblick auf die  Volvo Zukunft. Keine IAA in Frankfurt mehr, keine Autoshow in Paris. Statt dessen das kleine, und zugegeben feine, Genf als letzte große Volvo Bühne in Europa. Was steckt dahinter?

Volvo V60 Cross Country. Foto: Volvo Cars
Volvo V60 Cross Country. Foto: Volvo Cars

Volvo muss, ganz einfach festgestellt, sparen. Dafür ist scheint jedes Mittel recht, auch die Kürzung der Messebudgets und des Sponsorings. Volvo ohne IAA, das ist aus deutscher Sicht radikal. Aber es gibt keine Alternative.

Volvo ist nicht in ruhiger See unterwegs, im Gegenteil. Die Zukunft in Göteborg steht erst in den Startlöchern. Bisher gibt es kein einziges neues Modell, seit der Trennung von Ford, das in Kundenhand ist. Erst mit dem kommenden Volvo XC90 rollt eine Eigenentwicklung von den Bändern. Bis die Volvo Modellpalette frei von Ford Komponenten und Genen sein wird, ist es ein weiter Weg von etlichen Jahren. Entwicklung, Markteinführung, das alles verschlingt Unsummen an Geld. Volvo hat, das ist die bittere Pille, keinen reichen Onkel in China. Geely selbst ist, wenn man es positiv ausdrücken will, nicht gerade auf Rosen gebettet. Der Umsatz bei Geely ist in diesem Jahr weltweit um 26% rückläufig. Eine Gewinnwarnung spricht von 50% Ertragsrückgang. Die Gelder in der Volvo Firmenkasse kommen nicht von Geeley. Sie kommen von Banken, die wollen schwarze Zahlen sehen.

Not macht erfinderisch, eventuell. Möglicher Weise zwingen die Umstände Volvo in neue, innovative Bahnen. Jenseits von Deutschland setzt der Hersteller vermehrt auf die Option des Direktvertriebs, hier ist man mit den aktuellen Händlerverträgen nicht so flexibel. Dafür erwartet man von den Volvo Händlern in Zukunft verstärktes Engagement in Sachen Marketing. Der Händler soll eine Dosierung mehr Schweden-Gefühl vermitteln, wenn der Kunde zu Besuch ist. Ob das funktioniert, das hängt vom Engagement vor Ort ab. Auch Volvo selbst möchte das Marketingbudget 2015 erhöhen, sagt aber nicht wie und wo. Das Sponsoring soll eingeschränkt werden, nur das Volvo Ocean Race wird ohne Kürzungen davon kommen.

Liest man die Pressemeldung, dann ist das, was Volvo verkündet, nicht inspirierend. Eine tolle Website, ein noch tollerer Konfigurator. Nichts, was es nicht auch irgendwo draussen in der Welt gibt. Dazu stellt sich mir die Frage, wie stark Volvo in den sozialen Medien unterwegs ist, wie eng man wirklich den Kunden im Boot hat. Ich denke, das gäbe es Verbesserungsmöglichkeiten. Kunden wollen authentische Informationen aus verschiedenen Quellen, Kunden sind aufgeklärt und autonom unterwegs. Was finde ich bei Volvo im deutschen Segment? Wenig.

Es geht um die aktuellen Modelle, auf die man Lust bekommen sollte. Die tägliche gute Laune, wenn man im Volvo fährt. Irgendwas, wie eine vom Hersteller geförderte Fan Kultur. Volvo ist eine kleine Marke, nach internationalen Maßstab. Gerade bei den nicht so großen Fabrikaten ist es nötig, oder sogar unverzichtbar, mit Emotionen zu locken. Vielleicht sollte man in Köln den Blick über den Tellerrand versuchen.

Ausgerechnet die nicht mehr so richtig existierende Marke Saab, aus der direkten schwedischen Nachbarschaft, macht vor wie so etwas funktioniert. Autos baut Saab keine mehr, trotzdem verschwindet die Marke nicht. Warum? Deutschland ist kein Saab Land, es war immer ein schwieriges Terrain für die Marke. Die Vorraussetzungen sind also schlecht. Aber Blogs und Facebook Gruppen halten die Gemeinschaft zusammen. In Deutschland gibt es sogar eine Event Page für Saab Veranstaltungen, die ein oder zwei Jahresveranstaltungen höchst professionell managt. Warum das Saab Geschäft nicht zusammen gebrochen ist, hier kann man die Antwort lesen. Kleines Budget, oder vielleicht auch gar keins, bei den Saab Leuten geht trotzdem was.

Volvo hat Nachholbedarf, es gibt zwar Foren und Clubs, aber der Schwerpunkt liegt auf den älteren Baureihen. Die aktuellen Fahrzeuge haben kaum eine Bühne. So richtig angekommen ist Volvo Deutschland in der Jetztzeit nicht. Im Wettbewerb gegen die deutschen Anbieter zu bestehen, braucht es  gute Ideen. Die immer auch ein Stück verrückt sein können. Die heimischen Hersteller investieren seit Jahren in die Medien, kaufen dazu, leisten sich mitunter Experimente. Der Anteil des Marketings bei einer Kaufentscheidung ist höher denn je. Um zu punkten, um junge Käufer zu begeistern, muss Volvo es gut machen und intelligent die vorhandenen Mittel einsetzen. Eine massive Herausforderung für die Volvo Zukunft, wenn man keinen Schiffbruch erleiden will.

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