Zu Besuch im Volvo Museum Göteborg

Göteborg ist die zweitgrößte Stadt Schwedens. Wer einen Skandinavien Urlaub plant, dessen Wege führen oft in diese Richtung. Was wäre passender, als etwas automobile Geschichte im Volvo Museum zu erleben?

Im Foyer eine Sonderausstellung, die dem aufgegebenen Werk in Udevalla gewidmet ist.

Das Museum liegt auf Hisingen, umgeben vom Volvo Stammwerk. Der Weg führt, wenn man aus Richtung Göteborg anreist, am Lindholmen vorbei. Dort arbeitet Geely Tochter CEVT an der automobilen Zukunft. Auch an der von Volvo. Der Weg führt weiter an Produktionshallen und am Auslieferungszentrum von Volvo Cars vorbei. Ein gesichtsloses Industriegebiet, nicht besonders ansehnlich, aber sehr dynamisch.

Permanent wird auf Hisingen gebaut. Strassen ändern fast über Nacht ihren Verlauf, Navigationsssysteme sind niemals aktuell. Trotz der verbesserungswürdigen Ausschilderung findet man den Weg, und landet über kurz oder lang am Museum. Eine moderne Glasfassade sorgt für eine gewisse Erwartung, immerhin besucht man das Museum einer dynamischen Premiummarke.

Volvo Museum Göteborg. Liebevolles Ambiente für klassische Volvos.

Das Foyer ist hell und freundlich, ein großer Museumsshop schließt sich an, und die ersten Meter können in der Tat begeistern. Historische Volvos, liebevoll präsentiert in zeitgenössischen Dioramen, begrüßen die Besucher. Gleich am Eingang steht der antike Schreibtisch eines Volvo Gründervaters. Aber das, was wirklich schön gemacht ist, kann die Sammlung leider nicht durchhalten.

Klassische Volvos werden sehr würdevoll präsentiert, doch das Niveau fällt rasch ab. Um so weiter man durch das Museum streift, um so nachlässiger wird die Präsentation. Dafür gibt es eine Erklärung. Das Volvo Museum wird sowohl von Volvo Cars als auch von der Volvo Gruppe finanziert. Neben PKW`s werden ausserdem Baumaschinen, Busse und Lastwagen präsentiert. An der Decke hängt ein Saab Flugzeug der schwedischen Luftwaffe. Die Triebwerke wurden über Jahrzehnte erst von Volvo Flygmotor, später von Volvo Aero geliefert. Heute ist Volvo Aero Geschichte. Das Werk für Flugzeug Motoren ist verkauft und trägt den Namen GKN Driveline.

So viel Geschichte an einem Ort, finanziert von unterschiedlichen Firmen. Das fordert Kompromisse. Leider genau an den Stellen, wo es spannend wird. Volvo Prototypen und Motorsport Ikonen stehen viel zu dicht gedrängt. Die Ausleuchtung ist zum Teil schlecht, der Zustand der Exponate könnte besser sein. Ein schöner, historischer Volvo Bus steht während meines Besuchs auf platten Reifen. Wie lange schon?

Erläuterungen zu den Fahrzeugen fehlen oft, oder sind nur auf Schwedisch vorhanden. Bedauerlich, aber nicht zu ändern. Wer eine Hochglanz Präsentation erwartet hat, so wie sie deutsche Premium Marken sie auffahren, der könnte enttäuscht sein.

Trotz all dem ist das Volvo Museum auf Hisingen einen Besuch wert. Vielleicht auch deshalb, weil es eben nicht perfekt ist. Aber es gibt viel Volvo Markengeschichte zu entdecken. Seltene Studien, die kaum noch im Bewusstsein der Öffentlichkeit sind. Volvo Klassiker, im liebevollen Ambiente gezeigt, ein spannender Museumsshop. Sonderausstellungen zu wechselnden Themen ergänzen die Sammlung.

Der Charme der Sammlung wiegt die offensichtlichen Mängel auf!

Für den Besuch sollte man eine Zeit von 30 bis 45 Minuten einplanen. Die Öffnungszeiten und Details zur Anfahrt sind auf der Website des Volvo Museums hinterlegt.

Meine schwedische Museumstour führt weiter nach Norden. Nur wenige Kilometer entfernt wartet das Aeroseum auf mich. Es hat weniger mit Autos, dafür aber mit schwedischem Flugzeugbau zu tun. Und danach fahre ich in das Saab Museum nach Trollhättan.

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