40 Jahre Volvo Sechszylinder Diesel

Manche Jubiläen feiert man mit Begeisterung. Andere geht man vielleicht verhaltener an. 1978 begann Volvo mit dem Motorenbau, mit dem Modelljahr 1979 rollte der erste Volvo Sechszylinder Diesel PKW über schwedische Strassen. Diesel-Motoren sind heute ein kontaminiertes Thema, große Feierlichkeiten sind daher nicht zu erwarten.

40 Jahre Volvo Sechszylinder Diesel
40 Jahre Volvo Sechszylinder Diesel. Foto: Volvo

Mein erster Berührungspunkt mit dem Volvo Sechszylinder war – im VW. Aus Kostengründen arbeiteten die Schweden mit den Niedersachsen zusammen, im VW Transporter LT 28 gab es dann einen Volvo Motor. Eine angenehme Maschine die zwar wenig PS, aber viel Hubraum und eine besondere Laufkultur hatte. Sie machte den Transporter zwar nicht schnell, vermittelte aber das Gefühl eine dicke Maschine zu fahren. Damals genügte das zum Transporter-Glück.

Der weltweit erste Sechszylinder Diesel PKW

Während VW aus dem Motor eine ganze Familie machte, und auch einen Fünfzylinder auf den Markt brachte, gab es im Volvo nur den D24 genannten Sechszylinder mit mageren 82 PS. Er wurde erst ab 1985 mit einem Turbolader aufgeladen und entwickelte ab 1986 mit Ladeluftkühler sogar sagenhaft 122 PS. Der große Motor mit seinen 2.4 Litern Hubraum passte optimal zu dem Volvo. Ein alter Freund fuhr als guten Gebrauchten einen Volvo 244 mit 82 Diesel PS. Zu einer Zeit als weder das Wort Youngtimer noch das Diesel-Problem existierte.

Volvo 244 GL D6 und Wohnwagen. Optimal!
Volvo 244 GL D6 und Wohnwagen. Optimal! Foto: Volvo

Der kantige Volvo und der dicke Diesel verstanden sich gut. Hektik war ein Fremdwort, entspanntes Reisen stand auf der Tagesordnung. Der Volvo klang immer nach LT 28, oder war es umgekehrt, und transportierte subjektiv ein Stück Transporter-Feeling. Der 244 war zuverlässig, brachte uns überall hin, und blieb ein gutes Jahr im Fuhrpark meines Freundes. Dann wurde er ausgemustert, weil zu langsam. So undankbar kann die Welt sein.

Für Volvo war der D24 Diesel ein echter Glücksgriff. Die Zusammenarbeit mit VW, und die Kostenteilung zahlten sich aus. Volvo besetzte vor 40 Jahren eine Nische und eroberte neues Terrain. Wohnwagen-Fahrer schätzen den Volvo als Zugmaschine. In Italien lag 1982 der Diesel Anteil aller verkauften Volvos bei sagenhaften 80%.

Volvo war mit dem großen Diesel einmal mehr Trendsetter. Der 244 und 245 war der erste PKW mit Diesel Sechszylindern weltweit. Viele andere Hersteller folgten den Schweden, große Diesel waren für einige Jahrzehnte angesagt.

7 Gedanken zu „40 Jahre Volvo Sechszylinder Diesel

  • 16. November 2018 um 10:25
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    Ob das wirklich klug ist momentan den Diesel zu verteufeln?
    Zumal momentan an Alternativen Dieselkraftstoffen geforscht wird.
    Und bei den Elektroautos gibt es da für mich einige Fragen dir mir bis jetzt noch niemand beantwortet hat.

    1.Wenn in der Ferienzeit auf den Autobahnen die Tankstellen überfüllt sind,wie lange soll ich da warten bis ich mein Elektroauto aufladen kann?

    2.Wenn ich für mein Elektroauto eine neue Batterie benötige,was kostet die?

    3Wenn man z.B.in einer Wohnanlage wohnt und mein Parkplatz recht weit von meiner Wohnung entfernt ist,wie kann ich da mein Elektroauto aufladen?

    Ich bin generell für Umweltfreundliche Antriebe aber die Diskussion Elektroantriebe/Dieselmotoren ist für mich noch nicht zu Ende gedacht.

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    • 16. November 2018 um 11:34
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      Ich glaube man übertreibt gewaltig! Diesel kann auch sauber sein, mit Hanrstoff Einspritzung und SCR Kat sind die Emissionen kaum noch nachweisbar. Elektroautos transportieren zu viel Sondermüll, sprich Batterien, die in einigen Jahren so richtig zum Problem werden.

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  • 16. November 2018 um 13:28
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    Hi Lennart,

    ich bin von 1982 bis kurz nach der Jahrtausendwende knapp 400.000 Kilometer mit meinem 244 D6 gefahren und hab mich damit nachhaltig Diesel-infiziert. Während mein alter 144er noch über zehn Liter brauchte, war der Diesel mit knapp acht Litern unterwegs, und die waren auch noch deutlich billiger. Nur Wohnwagenziehen war Qual: Statt der damals möglichen 130 auf französischen Autobahnen waren wir froh, 100 zu erreichen. Einmal haben wir eine Fahrt deshalb abgebrochen und sind statt an den Südatlantik ins Morvan. War auch schön, und viel näher. Nie haben meine Kinder gefragt, wie lange es noch irgendwohin dauert – nur einmal, auf dem Heimweg in Schweden: Tage waren wir allein von Dorotea nach Süden unterwegs, das Land wollte bei Tempo 70 einfach nicht aufhören. Hernach haben wir den Wohnwagen verkauft und den 244er behalten, bis er blechtechnisch auseinanderfiel. Ein Türke hat ihn dann für ein paar Hundert (ich glaub, es waren noch Mark) abgeholt. Er war scharf auf den Motor.

    Seither gabs immer nur Diesels (bis auf einen 945, den wir heute noch bewegen) bei uns: einen 854 mit dem wunderbaren Audi-Fünfzylinder, der beim Beschleunigen gerne mal eine Wolke nicht lungengängigen, fettschwarzen Rußes hinterherzog, und zahlreiche 60er und 70er mit D5. Wenn’s für uns neue Autos gab, bekamen die Kinder die alten Wägen mit hohen Laufleistungen, denn ob VW, Audi oder später Volvos Fünfzylinder: Sie alle waren unkaputtbar. Mein aktuelles Arbeitspferd ist ein V70 D5, der aus dem Vorruhestand erweckt wurde und 40.000 Kilometer im Jahr zwischen Deutschland und Finnland pendelt. Angesichts der Tempolimits hier und im Baltikum komme ich auf maximal 5,5 Liter – das soll ein aktuelles Modell erstmal nachmachen. Reichweite: 1200 Kilometer mit einem Tank.

    Schade, dass in Deutschland die Diesel kaputtgeredet werden und kaum jemand sich wehrt gegen diese Wertevernichtung. Hier in Finnland kaufen sie die alten, ordentlich gewarteten Diesel aus Deutschland gerne. Und zahlen gute Preise: Für meinen V70, MJ 07 und bald einer halben Million Laufleistung würde ich hier vier- bis sechstausend Euro kriegen. Der Kilometerstand bei ordentlich gewarteten Dieseln ist absolut kein Thema.

    Schönen Gruß, Andreas

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    • 16. November 2018 um 15:17
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      Danke Andreas! Der Blick jenseits der deutschen Grenzen tut gut. Nicht alles ist schlecht was dieser Tage verteufelt wird. Ein Auto länger zu bewegen ist auch eine Form von Nachhaltigkeit – leider wird dies komplett in der aktuellen Diskussion ausgeblendet.

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      • 16. November 2018 um 18:53
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        Wohl wahr. Die Dieseldiskussion nimmt mittlerweile hysterische Züge an. Da werden dann ein paar Straßenzüge oder demnächst Autobahnen gesperrt, während nebenan Schiffe und Industrie das -zigfache an Dreck raushauen. Abgesehen davon, dass eine sinnvolle Kontrolle nicht möglich ist, dürften die zu fahrenden Umwege das Ganze kontakarieren. Absurd.

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  • 19. November 2018 um 16:43
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    Werter Autor dieses Artikels,
    über den Volvo-Sechszylinder-Diesel zu schreiben ist schon eine spannende Sache. Es ist sehr wohl richtig ausgeführt, dass die Wahrnehmung und die Berichte über die Dieselantriebe kontamiert sind. Gewiss, man kann zu Diesel und Nachhaltigkeit stehen wie man will, die Politik hat selten ein Gedächnis und naturwissenschaftliches Wissen. ABER, wer über den 6-Zyl. Diesel bei den Volvo-Pkw´s schreibt, sollte sich vorher doch richtig schlau machen. Leider entstehen so auch FAKE-News, um die Sprache von D.Trump zu benutzen. Der Wirbelkammer-Diesel hatte seinen Zenit Mitte der 1990er Jahe überschritten, es gab und konnte keine Weiterentwicklung mehr geben. Der D6 TIC hatte bis zu 129 PS werksseitig und Volvo-Lkw hat ca. 1988/89 VW dabei geholfen die Schrumpfprobleme bei den Zylinderkopfdichtungen zu beseitigen. Auch in einem Volvo gab es den 5-Zyl-2,0-ltr.Diesel, aber nicht auf dem deutschen Markt. Würde man heute in diese Diesel einen SCR-Kat einbauen, wir hätte eines mit den energieeffizientesten Autoantrieben. Laufleistungen von über 400 tsd. Km bei ganz normaler Einhaltung von Serviceintervallen sind möglich. Aber der Motor ist keine Entwicklung von Volvo, sondern eine von VW. Volvo hat, um der Wahrheit dienlich zu sein, die Anpassung an seine Anwendungsziele ins Lastenheft geschrieben. Daraufhin wurde die Nockenwelle modifiziert, später dann die Leistung von 82PS auf 79 PS abgelastet und das Drehmoment erhöht. Der Motor lief dann ruhiger. Entsprechend der geographischen Nutzung lieferte BOSCH verschiedene VE-Einspritzpumpen. Euch allen eine allzeit gute Fahrt in einem Volvo D6.

    Antwort
    • 19. November 2018 um 16:53
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      Sehr geehrter Herr Mehlmann! Danke für diese wertvollen Details und Ihren konstruktiven Beitrag. Auch ich lerne in Sachen Volvo Historie gerne dazu!

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