Als Ziegelsteine fliegen lernten – 40 Jahre Volvo 240 Turbo

Als vor 40 Jahren der Volvo 240 Turbo auf der linken Spur deutscher Autobahnen auftauchte, war die Überraschung groß. Ein fliegender Ziegelstein? Ein schnelles Wikingerschiff mit einem kantigen Bug, das machte Eindruck. Volvo und der Turbo, das waren zu dieser Zeit 155 PS aus 2,1 Litern Hubraum. Und damit mehr als genug.

Kantig, elegant und schnell - Volvo 240 Turbo
Kantig, elegant und schnell – Volvo 240 Turbo

Ein Stresstest für den Volvo 240 Turbo

Bevor der Turbo zum Kunden rollte, wurde er im Dienstalltag schwedischer Polizeibehörden einem Stresstest unterzogen. Dies geschah mit einem so überzeugendem Ergebnis, dass die Serienversion des Volvo 240 Turbo von Polizeibehörden vieler Länder genutzt wurde. Selbst Pehr Gyllenhammar, damals CEO und Präsident von Volvo, testete 1979 eine 240 Limousine mit Turboaggregat, wie alle seine Fahrzeuge in leuchtend roter Lackierung, ehe er den Start zur Serienfertigung freigab.

Volvo zündete den Turbo erst 3 Jahre nach der Erprobung im Polizeidienst
Volvo zündete den Turbo erst 3 Jahre nach der Erprobung im Polizeidienst

Reduzierung des Turbo Lochs

Legendär war zur damaligen Zeit das Turbo Loch. Ein Tritt auf das Gaspedal brachte – nichts. Erst nach einer Gedenksekunde setzte der Turbo ein, dafür um so brachialer. Dieser Eigenart früher Turbo Motoren rückte Volvo mit einem betont kleinen Lader zu Leibe. Damit bekam der B21ET Motor ein schnelleres Ansprechverhalten. Sein Maximum erreichte der Turbo im Volvo B21ET Motor schon bei niedrigen 2.600 min1. Dann öffnete bei einem Druck von 0,72 bar das Wastegate-Ventil.

Den Turbo gab es auch als Kombi
Den Turbo gab es natürlich auch als Kombi

Auch die Idee der Downsizing-Motoren zugunsten maximierter Effizienz wurde durch den Volvo 240 Turbo beschleunigt, denn der Turbo nutzte nicht den 2,3-Liter-Vierzylinder, sondern begnügte sich mit 2.127 cm³ Hubraum. Für verschiedene Märkte wie Finnland oder Italien stand aus steuerlichen Gründen sogar ein 1,9-Liter Turbo-Vierzylinder des Typs B19ET im Angebot. In Nordamerika gab es den Volvo 240 Turbo überdies ab Ende 1983 mit größerem Ladeluftkühler und als exklusiv und sportlich ausgestatteten Zweitürer.

Fliegender Ziegelstein im Motorsport

Auch Motorsport kann technische Entwicklungen vorantreiben. So startete in Schweden 1982 die Markenpokalserie Volvo Turbo Cup. Sie war offen für alle Volvo 240, die mit einem Turbokit von Volvo R-Sport aufgeladen waren. Im selben Jahr führte der Motorsport-Weltverband FIA neue Regularien ein, die den Volvo 240 Turbo für einen Einsatz in der Tourenwagen Gruppe A prädestinierten.

Erfolgreicher Volvo in der Europäischen Tourenwagen Meisterschaft 1985
Erfolgreicher Volvo in der Europäischen Tourenwagen Meisterschaft 1985

Der 500 mal gebaute Volvo 240 Turbo Evolution verfügte über einen größeren Lader, ein modifiziertes Motorkontrollsystem und Wassereinspritzung. Eine von Volvo patentierte Erfindung. Gleich beim Auftaktrennen der neuen Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) im Jahr 1984 errang der als „Fliegender Ziegelstein“ berühmt gewordene, 330 PS starke Schwede den Gesamtsieg. Ein Jahr später dominierte der Volvo 240 die Rennserien Europas und sicherte sich nicht nur den Titel in der DTM, sondern auch in der Europäischen Tourenwagen-Meisterschaft (ETC).

Mit Bildmaterial von Volvo Cars

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.