Lotus Esprit V8 – ein flacher Keil aus Norfolk

Ich erinnere mich, als der erste Lotus V8 bei einem Freund auf den Hof rollte. Richtig euphorisch war niemand. Esprit, das war traditionell ein Vierzylinder, der in einem Keil wohnte. Schnell gab es Diskussionen, ob das alles noch im Sinne von Colin Chapman wäre. Und leicht, so richtig leicht, war die 4. Esprit Generation nun auch nicht mehr.

Lotus Esprit (SE) V8 2001
Lotus Esprit (SE) V8 2001

Im Vergleich zu Generation 1 hatte man der letzten Ausbaustufe rund 6 Zentner mehr auf die Räder geladen. Das galt als ganz schön viel. Damals, vor rund 25 Jahren. Heute werkelt Lotus an einem SUV. Das soll rund 2 Tonnen wiegen und gilt damit als Leichtbau. So ändern sich die Zeiten.

Flacher, schneller Keil

Der Lotus Esprit V8 ist ein Auto, das Eindruck hinterlässt. Damals wie heute. Ein ultraflacher Keil, gerade mal 1.12 Meter hoch. Beim Fahren sitzt man förmlich auf dem Asphalt, beobachtet seine Umwelt aus der Maulwurfperspektive, und fühlt sich im Stadtverkehr nur wohl, wenn man hartgesotten ist. Richtig handlich zu fahren ist der Esprit im urbanen Umfeld sowieso nicht, sein natürliches Revier ist woanders.

Auf Landstraßen und speziell auf Autobahnen fühlt sich der Keil aus Norfolk wohl. Der V8 Biturbo mit 3.5 Litern leistet 354 PS und stellt 400 Nm zur Verfügung. In den späten 1990er Jahren reichte das aus, um der Zuffenhausen Fraktion souverän die Rückleuchten zu zeigen. Klar, der Lotus Esprit war das schnellere Auto. Das schönere auch und der große Auftritt gehörte natürlich dem Esprit. Falls man in der Lage war, souverän ein und auszusteigen.

Was nicht die einfachste Aufgabe ist.

Leider ist es so, dass der Esprit nie an die Perfektion eines 911 herankam. Weder in Sachen Verarbeitung oder Materialwahl, noch in puncto Fahrkomfort. Perfekte Autos baute man im Schwabenland, spannende in Hethel.

Der Lotus Esprit V8 war kein Erfolg

Der V8 wurde für Lotus kein Erfolg. Bei meinem Freund, der mit Lotus handelte und dem die Eigentümerschaft von GM die Marke ungefragt ins Nest gelegt hatte, standen die Keile wie Blei. Nur mit hohem Abschlag rollte einer nach dem anderen vom Hof, damit Geld zu verdienen war schwer.

Heute ist das alles Geschichte. Der von Giorgetto Giugiaro gezeichnete Keil sieht immer noch scharf aus, und wer Lust auf einen Esprit hat, dem ist auch der V8 mit seinen souveränen Fahrleistungen recht. Ein Exemplar aus dem Jahr 2001 steht in einem niederländischen Auktionshaus zum Verkauf. Gut erhalten, schön ausgestattet und mit 69.232 Kilometern nicht viel bewegt.

Obwohl erst 19 Jahre jung ist er schon ein Klassiker oder stark auf dem Weg dahin. Ein Sportwagen, den man noch selbst fahren muss, und der eine kundige Hand schätzt. Fast hätte ich geschrieben, dass ihn ein Hauch von James Bond oder zumindest Richard Gere umweht. Aber das wäre falsch.

Denn auch diese Herren zogen den Turbo mit 4 Zylindern bekanntlich dem V8 vor.

Mit Bildmaterial von Classic Car Auctions

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