Volvo 343 – die Kompaktklasse in ihrer Urform

Selten nur noch sieht man einen Volvo 343 auf der Straße. Die Urform der schwedischen Kompaktklasse ist weggestorben. Ganz schade, eigentlich. Mit dem Schrägheck schob Volvo 1976 ein beachtenswertes Konzept an den Start. Es hätte die Veranlagung zur überragenden Karriere gehabt, und dem 1974 erschienen Golf ein großes Stück vom Kuchen wegnehmen können.

Volvo 343 - 2 Türen, Schrägheck - das Zeug zur Karriere
Volvo 343 – 2 Türen, Schrägheck – das Zeug zur Karriere

Wäre da nicht ein entscheidender Nachteil gewesen

Von Anfang an gab es den 343 nur mit der Variomatik. Das stufenlose Riemengetriebe (CVT Getriebe) war damals umstritten, selbst heute tut man sich mit der Liebe dazu schwer. Der Gummibandeffekt ist auch mehr als 40 Jahre später bei aktuellen Subaru Modellen ein Thema. Er raubt das, was wir Fahrfreude nennen.

Heute ist alles, was mit CVT Getrieben zu tun hat, viel besser als damals. 1976 aber klaute das Getriebe dem Volvo 343 jeden Ansatz von Dynamik, woran nicht alleine die Variomatik schuld war. Für einen Vertreter der Kompaktklasse, dort ordneten die Schweden den 343 ein, war die Baureihe ungeheuer schwer. Bis zu 1.1 Tonnen Gewicht brachte das Schrägheck auf die Waage, satte sechs Zentner mehr als ein damaliger VW Golf.

Dieser Originale 343 hat in der Schweiz überlebt
Dieser Originale 343 hat in der Schweiz überlebt

Heute lacht man vielleicht darüber – vielleicht aber auch nicht. Aktuelle Volvo SUV reisen die 2 Tonnen Marke ganz souverän. Läuft da auf unseren Straßen etwas grundlegend verkehrt, wenn immer mehr Automasse zum Transport von Menschen eingesetzt wird?

Im Herbst 1978 hatte Volvo ein Einsehen

Endlich durfte der 343 auch manuell geschaltet werden. Er bekam ein Viergang Getriebe (M45R) und die Kunden reagierten sofort. Der Verkaufsanteil der Variomatik sank in den nächsten Jahren auf 15 % ab, das Votum der Käufer war klar. Es kann sein, dass sie jetzt den Renault Motor des 343 zu schätzen lernten. Der 1.4 Liter Motor mit 70 PS war zwar antiquiert und mit seinem Weber Vergaser nicht auf der Höhe der Zeit. Aber er war robust und überraschend stark im Antritt.

Schwarzes Armaturenbrett im Volvo Design, blauer Innenraum
Schwarzes Armaturenbrett im Volvo Design, blauer Innenraum

In der Realität lieferte er ein besseres Fahrgefühl als es die Papierwerte vermuten lassen. Zuvor hatten die Schweden noch mit einem zweiten Manko des 343 aufgeräumt. Im Herbst 1977 verabschiedeten sie auch die Instrumententafel im Stil von DAF, die keine Familienzugehörigkeit zum damaligen Volvo Design hatte.

Gleichzeitig zogen die Sitze aus dem 242 ein

Der Volvo 343 war damit endlich ein echter Volvo. Wer die Türe öffnete, dem war auf den ersten Blick die Zugehörigkeit zur Marke klar. Trotzdem, der Ruf war beschädigt. Der Volvo galt als müdes Tantchen Auto, und das bis an das Ende seiner Tage. Es nützte wenig, dass Volvo Deutschland sich ehrlich bemühte den Ruf zu korrigieren. Der Importeur stellte mit dem Tuner Oettinger ein limitiertes, sportliches Modell auf die Räder. Sinnlos. Der 343 blieb das lahme Automatikauto für die Ewigkeit.

Heute ist die Volvo Kompaktklasse eine Rarität
Heute ist die Volvo Kompaktklasse eine Rarität

Ein Volvo 343 in seiner Urform hat in der Schweiz überlebt. In der besten aller möglichen Versionen, denn er trägt zwar die ursprüngliche Karosserie, kam aber in den Genuss der wichtigsten Überarbeitung. Er hat das schwarze Armaturenbrett und die Instrumente im Volvo Design. Ebenso die Sitze aus dem 242. Viel wichtiger aber ist das Getriebe. Die manuelle Viergang Version statt der Variomatik löscht alle Vorbehalte, die im Raum stehen könnten.

Eine blaue Innenausstattung im Stil der Zeit macht den kompakten Volvo begehrenswert. Er ist, wie so viele Klassiker aus der Schweiz, in einem guten Zustand. Die MFK (Motorfahrzeugkontrolle) ist neu, und ein Gütesiegel. Denn die Kontrolleure der Eidgenossen schauen genauer hin als beim deutschen Pedant. Das Fahrzeug steht zum Verkauf beim Autohaus Hess, in der Nähe von Luzern.

Mit Bildmaterial von Hess Automobile

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