Volvo PV 544 siegt bei der Safari Rallye

Es ist bereits 50 Jahre her, und nur ein kleiner Ausschnitt der großen sportlichen Vergangenheit bei Volvo. Vor einem halben Jahrhundert, in seinem letzten Produktionsjahr, siegte der Volvo PV 544 bei der East African Safari Rallye 1965.

Joginder Singh und Volvo PV544 Safari Rallye 1965. Bild: Volvo Cars
Joginder Singh und Volvo PV544 Safari Rallye 1965. Bild: Volvo Cars

Der Pilot am Lenkrad des “Buckel Volvo” war Joginder Singh, sein Copilot Jaswant Singh. Im Rückblick war es die große Rallye Zeit der schwedischen Marken. Wo ein PV 544 war, da war ein Saab nicht weit, und umgekehrt. Beide Hersteller feierten große Siege, die Fahrer wurden zu Legenden.

Eine solche Legende ist die 1965er East African Rallye. Die Brüder Singh starteten in einem Fahrzeug, das bereits mehrere Unfälle und zwei Motorsportsaisons überstanden hatte. Der Volvo PV544 galt damals als unkaputtbar, er war das passende Auto für afrikanische Pisten.

Fahrzeuge in den 50er und 60er Jahren wurden mit einem Ziel konstruiert: Dauerhaltbarkeit. So waren die Autos eine gute Basis für den Motorsport. Heute ist “Dauerhaltbarkeit” nicht mehr modern. “Anmutung”, so tun als ob, ist wichtiger als wahre Werte. Aber vor 50 Jahren war  Gattung der Kostenoptimierer noch nicht geboren, der Ehrgeiz galt robusten Konstruktionen.

Die Vorgeschichte: 1964 schickte Volvo vier weiß lackierte Rallyefahrzeuge nach Kenia. Die Fahrzeuge hatten einen auf 130 PS leistungsgesteigerten B18-Motor, verstärkte Vorderradaufhängung mit Zweirohr-Gasdruckstoßstämpfern von Bilstein, vordere Scheibenbremsen, zwei Benzintanks sowie soliden Unterfahrschutz für Motor, Getriebe und Tanks. Trotz intensiver Vorbereitung kam kein Volvo innerhalb des Zeitlimits ans Ziel, eine Enttäuschung.

Nach der 64er Rallye verblieb ein Volvo PV544 beim kenianischen Importeur, wo Joginder Singh auf das Fahrzeug aufmerksam wurde. Singh brachte die Erfahrung aus mehreren Safari-Starts der vergangenen Jahre mit.  Fünf Monate vor dem Start zur 13. Safari Rallye im April 1965 einigte sich Singh auf einen Ratenkauf jenes Volvo PV544, der zuvor von Tom Trana gefahren worden war.

Vor dem Einsatz musste das unfallbeschädigte Fahrzeug neu aufgebaut und abgestimmt werden. Eine Arbeit, die Joginder Singh gemeinsam mit seinem Bruder Jaswant erledigte. Obwohl die Brüder Singh bereits mehrfach durchaus erfolgreich mit anderen Marken bei der Safari gestartet waren, traute den beiden Turban tragenden Sikhs niemand viel zu. Schließlich war der Vorjahresstart für Volvo ein Flop gewesen, und 1965 gab es noch härtere Konkurrenz durch erfahrene Rennsteams großer Marken.

Hinzu kam vermeintliches Pech bei der Startnummernverlosung. Joginder und Jaswant Singh mussten als erste starten, was bisher kaum jemandem Glück gebracht hatte. In Jahr 1965 war jedoch alles anders. Die erste Wertungsprüfung wurde bei trockener Witterung gefahren, zum Vorteil der das Feld anführenden Brüder, die sich so nicht im Blindflug durch die dichten Staubwolken Vorausfahrender kämpfen mussten.


Die zweite Etappe führte über rutschige Strassen und durch regelrechte Schlammlöcher. Aber der Volvo lag weiter in Führung, auch weil die Brüder eine spezielle Technik entwickelt hatten, um sich aus dem Schlamm zu befreien. Am Heck des PV544 waren zwei Griffe angebracht. An diesen hielt sich Jaswant fest, während er schaukelnd auf der hinteren Stoßstange stand, um mehr Druck auf die schmal bereiften Antriebsräder auszuüben. Dank dieser menschlichen Traktionskontrolle konnte der Lenkradkünstler Joginder den Volvo bis ins Ziel in Führung halten.

Als die Singh Brüder dann am fünften Rallyetag in Nairobi die Ziellinie querten, kannte der Jubel der Zuschauer keine Grenzen. Der zweitplatzierte Ian Jaffray traf erst eine Stunde und 40 Minuten später ein. Was für ein Sieg! Eine Legende war geboren, Joginder Singh wird seitdem voller Bewunderung „Fliegender Sikh” genannt – nie zuvor und danach gewann ein Safari-Rallye-Sieger mit größerem Vorsprung.

Nach diesem Sieg annullierte der kenianische Importeur den Ratenkaufvertrag mit Joginder Singh – um dem Gewinner den Volvo PV544 zu schenken. Das Siegerauto ist bis heute im Besitz der Familie Singh, nach einer Restaurierung erhielt es einen Ehrenplatz im Volvo Museum.

Singh, der 2013 im Alter von 81 Jahren in London verstarb, betonte bei vielen Interviews, dass der Volvo PV544 stets sein Lieblingsauto war.

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