Schwedisch?

Was macht eine Fahrzeugmarke aus? Es ist die Herkunft, die DNA, das Land wo die Marke wurzelt. Deutsche Autohersteller produzieren spürbar deutsche Produkte. Die Fahrzeuge verbreiten den Ingenieursgeist, den man uns so gerne nachsagt. Vermutlich sind sie daher so erfolgreich. Auch Italien war mal eine große Autonation.

Schwedenfahne. Gesehen im neuen Volvo XC90. Bild: Volvo
Schwedenfahne. Gesehen im neuen Volvo XC90. Bild: Volvo

In längst vergangenen Tagen waren die Alfas, Fiats und Lancias ein Stück fahrendes Italien. Im Drehzahlmesser stand Giri statt Drehzahl aufgedruckt, spätestens jetzt war klar das man in einem Italiener auf der Strasse war. In den letzten 20 Jahren allerdings wollten die Italiener etwas deutscher werden, der Charme verschwand, die Autos wurden beliebiger und das Ergebnis zeigt die monatliche Zulassungsstatistik.

Und Schweden? Die Saab Zukunft ist ungewiss, aber jeder Saab war wie ein Flugzeug. Nur eben mit 4 Rädern auf dem Boden. Der selige Saab 900 Turbo 16 S mit seinem Cockpit machte es vor, die Nachfolger verwässerten das Thema. Saabs wurden beliebiger, die Kunden spürten das und blieben lieber bei ihrem 900 oder 9000 statt zu neuen Modellen zu wechseln. Der letzte Saab griff das Thema erfolgreich wieder auf, die Liebe der Fans kam zurück.

Wer schon einmal das Privileg hatte in einem der letzten Saab 9-5 unterwegs zu sein, der kann es nachvollziehen. Ein perfektes Flugzeugcockpit, ein Zeilentacho wie ein künstlicher Horizont. Ein Ausnahmefahrzeug, von dem zu wenige gebaut wurden. Der letzte Saab wahrscheinlich, aber eben jeder Zoll davon ein Statement für die Marke.

Ist Volvo Schweden? Zwischen der Saab Fabrik und dem Volvo Werk liegen nur rund 45 Minuten Fahrstrecke, je nach Tageszeit. Dennoch sind beide Marken absolut unterschiedlich. Volvo war immer solider, bodenständiger. Kein Jet auf Rädern, sondern mehr das gegebene Versprechen von Solidität. Und so schwedisch wie man nur sein kann, mit echtem Birkendekor im Cockpit oder als rollender Ziegelstein in den alten, eckigen Serien.

Volvo hat mittlerweile etwas davon verloren, von dem ehemaligen Schwedencharme. Rollende Ziegelsteine sind heute wenig gefragt, Vollholz im Cockpit ist altbacken. Volvo will modern und gleichzeitig schwedisch sein. Volvo geht dafür Kompromisse ein, vernachlässigt die Liebe zum Detail. Freunde von mir, echte Volvo Fans, spüren das. Sie fahren lieber eine Marke aus Bayern, weil das Flair in den aktuellen Fahrzeugen ausbleibt. Volvo baut zudem Autos in China, ein Markt der immer mehr Einfluss gewinnt.

Mit dem neuen Volvo XC90 definiert sich Volvo neu. Ein Spagat zwischen dem alten Europa und den wachsenden Märkten im fernen Osten. Man geht behutsam vor. Die Änderungen im Design sind eine Evolution, keine Revolution. Man achtet auf Liebe zum Detail. Als Schwedenfan und Freund schwedischer Fahrzeuge freue ich mich schon über kleinste Merkmale. Über eine kleine Schwedenfahne an den Sitzen zum Beispiel. Gesehen im neuen Volvo XC90. Ist Volvo Schweden? Ja, wir sind Schweden, und jeder der im Volvo Platz nimmt, sieht es. Schön so.

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