Lancia Klassiker

Die Lancia Beta Berlina – ein Auto für Individualisten

In der fränkischen Kleinstadt, in der ich zur Schule ging, gab es in den 1970er Jahren einen Lancia Händler. Das Autohaus mit Werkstatt lag auf dem Weg zur Schule, und es gab dort nur Lancia. Heute unvorstellbar: Der Hof war immer voll mit den neuesten Fahrzeugen – denn einen Ausstellungsraum gab es nicht.

Natürlich parkte da auch die Beta Berlina, eine interessante und elegante Schräghecklimousine, und nicht wenige Schüler hinterließen ihre Fingerabdrücke an den Scheiben der Neuwagen. Die meisten fanden Lancia gut und die Diskussion, dass hier ein verkleideter FIAT parken könnte, war uns ziemlich fremd.

Lancia Beta Berlina, für Europas Individualisten
Lancia Beta Berlina, für Europas Individualisten

Die Lancia Beta Berlina – ein Auto für Individualisten

Diese tobte vor allem in den Autozeitschriften, denn Lancia war unter das rettende FIAT Dach geschlüpft, und für die neuen Modelle griff man natürlich in das Regal des großen Konzerns. Die Motoren, schockierend für alle, stammten aus dem FIAT‑Fundus, auch wenn Lancia sie vor dem Einsatz gründlich überarbeitete.

Dazu kam, dass die Beta Berlina eine Art Kooperationsprojekt mehrerer Elternteile war. Das Getriebe lieferte Citroën zu, zeitweise war der Beta auch als Kandidat für die Hydropneumatik gehandelt worden, und der Mix war natürlich Gift für das Nobelimage der Marke.

Die wusste das, und die Marketingverantwortlichen in Deutschland steuerten 1974 mit der Individualisten-Schiene dagegen. Mit wenig Text, gehalten in einem puristischen Stil. Das Auto für Europas Individualisten und mit dem Slogan, dass es noch die Freiheit gibt. Jene, sich zu entscheiden, den eigenen Stil zu verfolgen und seinen eigenen Weg zu gehen.

Werbung in den deutschen Medien 1974, mit wenig Text
Werbung in den deutschen Medien 1974, mit wenig Text

Was man sich in den Printmedien nicht verkneifen konnte, war der dezente Hinweis auf die Erfolge von Lancia im Motorsport, die natürlich alles andere überstrahlten.

Dabei hätte es noch andere Themen gegeben. Die Beta Berlina fuhr mit einer außergewöhnlichen Sicherheitsausstattung vor. Eine Sicherheitslenksäule, Sicherheitsglas in Serie an der Frontscheibe, und viele geschäumte Flächen im Innenraum waren außergewöhnlich. Dazu kam das Zweikreis-Bremssystem (Lancia Superduplex), das zu der Zeit nur sehr wenige Hersteller anboten.

Die Konstrukteure gönnten der Karosserie außerdem einen integrierten Überrollbügel. Die Beta Berlina war nahe daran, ein italienischer Volvo oder Saab zu sein. Von alledem erzählte die Werbung damals nichts. Vielleicht hätte man es machen sollen, um Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, die im Lancia tatsächlich nur eine FIAT Kopie mit leicht aristokratischem Einschlag sehen wollten.

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