Citroën Klassiker

Historischer Vergleichstest (1973): Der Citroën GS schlägt sie fast alle

Historische Vergleichstests sind immer wieder aufschlussreich. Europäische Automarken hatten vor Jahrzehnten eine völlig andere Marktposition als heute. Ein gelungenes Beispiel wäre Citroën. Die Marke soll aktuell im Stellantis-Konzern die Rolle des günstigen Anbieters übernehmen und das Marketing platziert die einstige Avantgarde gegen Dacia.

Ob man damit gut fahren wird, zeigt die Zukunft. In den glorreichen Zeiten, die allerdings schon etwas länger zurückliegen, war Citroën alles andere als ein günstiger Anbieter. Die Idee mit den großen Rabatten wurde erst um die Jahrtausendwende so richtig offensiv gespielt, und seitdem klebt der Doppelwinkel scheinbar auf dieser Schiene fest.

Doch 1973, im Vergleichstest der unteren Mittelklasse, war alles anders. Citroën lieferte das mit Abstand teuerste Angebot.

Vergleichstest: Citroën GS gegen Audi 80, Opel Ascona, Alfasud und Renault 12
Vergleichstest: Citroën GS gegen Audi 80, Opel Ascona, Alfasud und Renault 12

Historischer Vergleichstest (1973): Der Citroën GS schlägt sie fast alle

Im Jahr 1973 tritt der Citroën GS 1220 Club gegen die populärsten Mitbewerber an. Der Audi 80 L ist damals der Traum aller Buchhalter und der mittleren Angestellten. Er lässt den einsetzenden Aufstieg der Marke mit den vier Ringen bereits erahnen und der Audi gilt mit 8 630 DM als ziemlich teuer. Allerdings bietet er dafür auch solide teutonische Technik und eine nach damaligen Maßstäben gute Verarbeitung.

Audi 80L, so grundsolide, den kann der Citroën nicht schlagen
Audi 80L, so grundsolide, den kann der Citroën nicht schlagen

Charisma kann man dem Produkt aus Ingolstadt hingegen kaum unterstellen. Dafür ist es grundsolide und wenig aufregend, so wie das Klientel, das vom Audi träumt. Vermutlich macht gerade das ihn so erfolgreich und der Audi belegt im Vergleichstest den ersten Rang.

Aber auf den zweiten Rang folgt tatsächlich der GS 1220 Club Er ist in der gehobenen Club Version mit 8 726 DM der teuerste im Test und der zweite Platz ist in gewisser Weise überraschend. Denn die Redakteure der Auto Motor Sport sparen nicht mit Kritik. Sie sehen Probleme mit der Bedienung, den angeblich schlecht ablesbaren Armaturen (die der Zeit voraus und heute Kult sind) und mit der Dosierbarkeit der Bremsen.

Citroën GS, der teuerste Wagen auf dem zweiten Platz
Citroën GS, der teuerste Wagen auf dem zweiten Platz

Auch die Verarbeitung findet wenig Applaus, wohl zurecht, wenn man den Audi als Benchmark sieht. Daran können auch die famose Hydropneumatik und der hohe Fahrkomfort nichts ändern. Doch bei der Punktevergabe zeigt man sich fair. Der Citroën GS landet auf dem respektablen zweiten Rang, und gegen den ziemlich deutschen Audi kann man in Deutschland vermutlich nicht gewinnen.

Hinter dem Citroën reiht sich Alfa Romeo ein. Heute eine Schwestermarke im Stellantis-Konzern, damals einer der Konkurrenten. Der Alfasud ist im Straßenbild der 70er Jahre sehr präsent. Er ist eine Art Hassliebe der Deutschen. Liebe, wenn er fährt. Hass, wenn er rostet – was er gerne tut – oder wenn er mal wieder in der Werkstatt steht, weil die Verarbeitung recht schlampig erfolgt.

Alfa Romeo Alfasud: Es ist Liebe, wenn es fährt
Alfa Romeo Alfasud: Es ist Liebe, wenn es fährt

Dennoch: Der Alfa hat das, was der Audi nicht bietet. Er hat die gewisse Ausstrahlung. Er fasziniert an seinen guten Tagen und der Test endet mit dem dritten Rang für den Italiener völlig fair. Und wen es interessiert: Mit 7 900 DM ist der Alfa das günstigste Angebot im Test.

Das mit der Ausstrahlung geht dem Renault 12 TL komplett ab. Er verkauft sich gut und man sieht ihn häufig auf den Straßen. Sieht man ihn wirklich? Genau da liegt das Problem. Er ist zwar da, aber er ist unsichtbar, denn er ist ein Transportmittel und der Wagen ohne Eigenschaften.

Der Renault 12 TL, der Wagen ohne hervorragende Eigenschaften
Der Renault 12 TL, der Wagen ohne hervorragende Eigenschaften

So wirklich sagen, warum man ihn kaufen soll, kommt auch im Test nicht rüber. Vermutlich wird der bestellt, weil das Renault Händlernetz recht dicht ist und damals die Vertretung vor Ort einen hohen Stellenwert hat. Mit 8 020 DM zieht er beim Preis fast mit dem Alfa gleich. Und ganz ehrlich: Wer greift zum Renault, wenn er mit dem Alfasud leiden könnte?

Die eigentliche Überraschung könnte sein, dass der Renault den Opel Ascona tatsächlich knapp auf den letzten Platz schießt. Opel verkauft den Ascona in großen Stückzahlen, die in den Jahren ebenso schnell wieder verschwinden. Denn Langzeitgene hat er nicht, der Rost rafft ihn dahin und generell ist der Ascona ein roher Klotz.

Der Ascona landet auf dem letzten Rang, Opel verkauft in trotzdem in großen Stückzahlen
Der Ascona landet auf dem letzten Rang, Opel verkauft ihn trotzdem in großen Stückzahlen

Die Verarbeitung ist einfach und routiniert, die Technik ist es auch und in gewisser Weise stellt der Ascona seinen Besitzer vor keine Herausforderungen. Doch zwischen Citroën GS und Ascona liegen Lichtjahre. Der eine kommt aus der Zukunft, der andere symbolisiert die Gegenwart.

Erstaunlich ist rückblickend gesehen der Preis, der beim Opel Händler für den Ascona zu zahlen war. 8 429 DM waren kein Sonderangebot und recht nah am viel wertigeren Audi 80L oder am innovativen Citroën.

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