Lancia 2000, die Wiederbelebung unter Fiat Regie
(Deutschland, 1971) Unter Fiat-Regie soll Lancia wieder eine erfolgreiche Automobilmarke werden. Erstes Produkt der neuen Initiative ist der Lancia 2000, der jetzt in Turin vorgestellt wurde.
Unter der Fiat-Flagge wird auch die italienische Traditionsmarke Lancia wieder aktiv. Nach der nicht ganz freiwilligen Übernahme von Lancia durch Fiat (der italienische Staat musste kräftig nachhelfen) stellten Fiats hochgetrimmte Produktionstechniker kopfschüttelnd fest, dass im modernen Lancia-Werk in Chivasso in aller Gemütsruhe Autos für die treue italienische Anhängerschaft der Marke zusammengebaut wurden.

Lancia 2000, die Wiederbelebung unter Fiat Regie
Im vergangenen Jahr ganze 44 000 Stück. Mit dieser Idylle soll jetzt Schluss sein. Fiat will die vorhandene Kapazität in absehbarer Zeit mit 100 000 Wagen pro Jahr auslasten. Dazu wurde das Typenprogramm überarbeitet, und der Export wird angekurbelt.
Aufwind für den Absatz verspricht man sich nicht zuletzt von dem neuen Typ 2000, der die Flavia-Modelle ersetzt. Man sieht dem neuen Lancia freilich an, dass er kein ganz neues Auto ist, sondern eine Weiterentwicklung des Flavia.

Die allzu würdige Flavia-Karosserie hat lediglich an der Frontpartie markantere Züge angenommen, und auch die Technik weist nur Detailänderungen auf. Der Standardmotor für die Limousine und das Coupé ist jetzt ein Zweiliter-Aggregat von 115 PS, das von einem Registervergaser gespeist wird. Teure Extraversionen, wie der Flavia-Einspritzmotor, wurden über Bord geworfen.
Der Bauaufwand für die Lancia-Wagen ist ohnehin hoch genug. Der frühere Chefkonstrukteur, Professor Fessia, hatte nach seinem Wechsel von Fiat zu Lancia progressiven Autobau demonstrieren wollen, wobei er auf die Kostenfrage nicht allzu viel Rücksicht nahm. Die Frontantriebstypen Fulvia, mit dem eigenwilligen, kleinen V-Motor, und Flavia bzw. 2000, mit einer nicht minder kostspieligen Antriebseinheit, sind sein Werk.
Trotz guten Renommees verkauften sich die Autos leider schlecht, und heute ist es schwer, sie rationell zu produzieren und gewinnbringend zu verkaufen.

Bei Probefahrten in Italien zeigte sich der neue 2000 allerdings von der angenehmsten Seite. Gegenüber dem Flavia hat er durch die technische Überarbeitung und den größeren Motor erheblich gewonnen. Eindrucksvoll sind vor allem die Laufruhe und der ausgezeichnete Federungskomfort dieser gepflegten Mittelklasse-Limousine. Andererseits sind die Fahrleistungen so, dass es einem in dem Auto durchaus nicht langweilig zu werden braucht.
Der Lancia 2000 ist ein Tiefstapler
Dank einer direkten und erfreulich fahrbahnfühligen Servolenkung gehört der Lancia ferner zu jenen Frontantriebswagen, die ganz handlich und mühelos zu fahren sind.
Armaturenbrettgestaltung und Anordnung der Bedienungselemente sind freilich eigenwillig wie eh und je bei Lancia.

Der Lancia 2000 ist ein rechter Tiefstapler, der seine inneren Werte nicht zur Schau trägt. Nicht nur nach seinen Qualitäten, sondern auch vom Preis her ist er ein gutes Stück über dem Durchschnitt der Klasse einzustufen, denn er kostet in Italien runde 16 000 Mark.
Liebhaber gesucht, heißt es daher, wenn die neugegründete Transco GmbH demnächst mit dem Import nach Deutschland beginnt. Ihr Händlernetz umfasst derzeit etwa 50 Stationen, die sich zu 90 Prozent aus Fiat-Händlern rekrutieren, denen der anspruchsvolle Zweiliterwagen gut ins Programm zu passen scheint.
Wenn der Verkauf der neuen Lancia-Typen 2000 und 2000 Coupé gegen Jahresende in Deutschland beginnt, wird auto motor und Sport beide Modelle in ausführlichen Testberichten vorstellen.
Quelle: Auto-Motor-Sport, Heft 13/1971
