Citroën Klassiker

Citroën CX 2200 D, sparsame Diesel-Variante der komfortablen CX-Baureihe

Deutschland, 1976. Wenn heute häufig die Uniformität im modernen Großserien-Automobilbau beklagt wird, dann kann dieser Vorwurf einem Fabrikat ganz gewiss nicht gemacht werden: Citroën.

Denn die Konstruktionen des renommierten französischen Herstellers werden vor allem von den ebenso ideenreichen wie eigenwilligen Technikern geprägt. Kaufleute, so scheint es, hatten am Pariser Quai André-Citroën nie eine Chance. Allerdings hatte so viel technische Extravaganz, die im mittlerweile nicht mehr gebauten SM ihren Höhepunkt fand, zwangsläufig negative finanzielle Konsequenzen. Citroën geriet in den letzten Jahren immer tiefer in die roten Zahlen und konnte nur durch die Übernahme durch Peugeot gerettet werden.

Im Test: Citroën CX 2200 D (1976)
Im Test: Citroën CX 2200 D (1976)

Citroën CX 2200 D, sparsame Diesel-Variante der komfortablen CX-Baureihe

Unter der Vormundschaft von Peugeot dürften künftig deshalb auch bei Citroën mehr als bisher die Gesetze von Aufwand und Erfolg Beachtung finden. Unter diesem Aspekt könnte der nicht zuletzt wegen seines individuellen Stylings bemerkenswerte CX der letzte „echte“ Citroën sein.

Eine Sonderstellung im reichhaltigen Angebot der gehobenen Mittelklasse bezieht der avantgardistische Franzose aber auch durch seine komfortable hydropneumatische Federung. Durch seine eigenwillige Instrumentierung und seit Herbst vergangenen Jahres nicht zuletzt dadurch, dass es ihn auf Wunsch mit einem Dieselmotor gibt.

Technische Daten und Messwerte Citroën CX 2200 D

Das Debüt des CX-Diesel auf der letzten IAA in Frankfurt mag für viele Freunde der Marke eine ziemliche Überraschung gewesen sein. Denn zweifellos verbinden sich Vorstellungen von Sportlichkeit und Schnelligkeit mit dem betont strömungsgünstig geformten CX viel besser als dieseltypische Behäbigkeit.

Aber bei Citroën hatte man einerseits die relativ leicht realisierbare Ausweitung der Modell-Palette im Auge, zum anderen wollte man möglichst frühzeitig im weltweit sich abzeichnenden, durch Abgas- und Verbrauchsgesetze begünstigten Diesel-Trend liegen.

Citroën CX 2200 D (1976)

Bekanntlich steht der Serienanlauf solcher Fahrzeuge auch bei VW und General Motors demnächst bevor. Allerdings konnten Diesel-Personenwagen bisher nur von Mercedes wirklich gut verkauft werden, während Opel und Peugeot sich damit ausgesprochen schwer tun.

Konventionelle Konstruktion

Citroën musste für die speziellen Einbauverhältnisse im frontgetriebenen CX praktisch ein neues Triebwerk bauen, konnte andererseits aber auf langjährigen Diesel-Erfahrungen aufbauen. Neben diversen Lastwagen-Maschinen hatten die Franzosen mit dem C35 einen Kleinlastwagen im Programm, dessen wichtigste Motordaten für den Personenwagen-Diesel übernommen werden konnten.

Citroën CX 2200 D (1976)

Kennzeichnend für diesen Vierzylinder-Motor sind die Abmessungen für Bohrung und Hub, die mit 90 und 85,5 mm einen Gesamthubraum von 2175 cm³ ergeben. Abgesehen vom um 30 Grad nach vorn geneigten Quereinbau ist die Konstruktion der Maschine konventionell. Die Basis bildet ein steifer Grauguss-Zylinderblock, der die fünffach gelagerte, mit einem Drehschwingungsdämpfer versehene Kurbelwelle sowie die hochgelegte, über schrägverzahnte Stirnräder angetriebene Nockenwelle aufnimmt.

Im Leichtmetall-Zylinderkopf sind die Ventile senkrecht und parallel hängend angeordnet. Sie werden über Becherstößel, Stoßstangen und Kipphebel betätigt. Einspritzdüsen und Glühkerzen münden in stahlarmierten Vorkammern, ein zentraler Kühlwasserkanal sorgt für gezielte Kühlung der thermisch kritischen Zylinderkopfpartien.

Im Vergleich: Citroën CX 2200 D (1976)

Die im Testwagen montierte Lucas-Rotations-Einspritzpumpe (später soll wahlweise eine Bosch-Anlage verwendet werden) arbeitet mit einem automatisch auf Drehzahl und Belastung reagierenden Spritzversteller. Zur Bedienungserleichterung ist die Einspritzpumpe mit einer elektrischen Stoppvorrichtung versehen, die das Abstellen des Motors durch einfache Schlüsseldrehung gestattet.

Wie begrenzt die prinzipbedingten Möglichkeiten von Hubkolben-Dieselmotoren gegenüber den variantenreicheren Benzinmotoren auch heute noch sind, zeigen die Leistungsdaten:

Bei einem Verdichtungsverhältnis von 22,25 : 1 werden bei 4500/min 66 PS (48,5 kW) erreicht, das maximale Drehmoment von 13,3 mkg (130 Nm) stellt sich bei 2500/min ein. Damit ergibt sich eine Literleistung von 30,3 PS/L, die den Citroën-Selbstzünder zwar an die Spitze seiner Konkurrenten bringt. Die andererseits aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, wie überaus bescheiden sein Leistungspotenzial gegenüber Ottomotoren mit ähnlich großem Hubraum ist.

Citroën CX 2200 D (1976)

Behäbig und wenig Temperament

So konnte auch der avantgardistisch verpackte Citroën-Diesel keine neuen Erkenntnisse zum Thema Diesel-Personenwagen vermitteln: Behäbigkeit und wenig Temperament kennzeichneten – wie nicht anders erwartet – den 19 440 Mark teuren Testwagen.

Sein Temperament war sogar noch geringer als vom Werk angegeben. Statt der versprochenen 20,1 Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h benötigte er 22,3 Sekunden, und als Höchstgeschwindigkeit konnten nicht 146 km/h, sondern nur 139,5 km/h registriert werden. Wie die Vergleichstabelle zeigt, macht der CX-Diesel im Kreise seiner direkten Konkurrenten dennoch keine schlechte Figur. Nur der hubraumstarken und wesentlich teurere Fünfzylinder-Mercedes gibt ihm bei den Fahrleistungen das Nachsehen.

Citroën CX 2200 D (1976)

Diesem Spitzen-Diesel muss sich der Citroën auch in der Geräusch-Disziplin mit durchweg zwei bis drei Mehr-Phon über den gesamten Geschwindigkeitsbereich geschlagen geben. Aber das Motorgeräusch wird keineswegs als besonders störend empfunden. Bei betriebswarmer Maschine ist es nur wenig lauter als beim CX 2200 mit Benzinmotor.

Zweifellos trägt zum positiven Geräuschbild neben der relativ weich verlaufenden Vorkammer-Verbrennung die aufwendige Rahmenkonstruktion des CX bei, bei der 16 Gummielemente unerwünschte Motor- und Fahrwerksvibrationen von der Karosserie weitgehend fernhalten.

Citroën CX 2200 D (1976)

Dass man es mit einem hochverdichtenden Selbstzünder zu tun hat, gerät freilich aus einem anderen Grund niemals in Vergessenheit. Dafür sorgen das Anlassen des kalten Motors und das harte Nageln während der Anwärmphase.

Für Leute, die nicht ständig Diesel fahren, hat zudem das Vorglühen der kalten Maschine (per Schlüsseldrehung) etwas Zeremonienhaftes, Altertümliches an sich. Beim nicht sonderlich startwilligen Testwagen konnte auch dann nicht auf eine reichlich bemessene Vorglühzeit verzichtet werden, wenn der Motor im Kurzstreckenbetrieb bereits einige Minuten gelaufen war.

Günstige Verbrauchswerte

Mehr als derartige Begleitumstände interessiert den eingefleischten Diesel-Fahrer jedoch der Kraftstoffverbrauch. Trotz Anhebung des Dieselöl-Preises auf Benzin-Niveau (zumindest auf dem deutschen Markt) konnte der Diesel seinen Ruf hoher Wirtschaftlichkeit bislang erfolgreich verteidigen. Speziell im Teillastbereich, wo die Ausnutzung des Kraftstoffs aufgrund der hohen Verdichtung besonders gut ist, ist der Diesel gegenüber dem Ottomotor im Vorteil.

Beurteilung: Citroën CX 2200 D (1976)

Für den Testwagen wurden Verbrauchswerte bei unterschiedlichen Fahrbedingungen ermittelt. Bei zügiger Autobahnfahrt wurden 9,5 L/100 km konsumiert, bei gemächlicher Landstraßenfahrt waren es nur 8,4 L/100 km, im Stadtverkehr exakt 10,0 L/100 km, und als Gesamt-Testverbrauch wurden 10,3 L/100 km registriert.

Zweifellos kann der CX-Diesel mit diesen Werten in seiner Hubraum- und Gewichtsklasse als ausgesprochen sparsames Auto gelten. Ein CX 2200 Pallas, der unter gleichen Bedingungen an den Verbrauchsfahrten teilnahm, konnte die Diesel Ergebnisse in keinem Fall unterbieten.

Ob jedoch dieser Umstand allein Citroëns Diesel-Version viele Freunde zuführen wird, bleibt freilich abzuwarten. Denn vom Charakter her wendet sich der fortschrittliche Fronttriebler zumindest auf dem deutschen Markt weniger an besonders ökonomisch denkende Automobilisten als vielmehr an solche, denen es in erster Linie auf ausgeprägten Individualismus ankommt.

Und diese Individualisten, aus denen sich hierzulande die treuesten Citroën-Anhänger rekrutieren, haben sich für den modern konzipierten CX wohl am wenigsten einen Diesel gewünscht. Ihnen wäre ein geschmeidiger Sechszylinder sicher lieber gewesen.

Quelle: Auto-Motor-Sport, Heft 11/1976. Autor: Helmut Eicker 

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